Nebengewerbe

Nebengewerbe anmelden & betreiben: Alles was du wissen musst

Neben dem Hauptjob ein eigenes Business aufbauen — ohne Risiko, ohne Kündigungsschreiben. Wie du dein Nebengewerbe richtig anmeldest, was du verdienen darfst und wann der Sprung in die Vollzeit lohnt.

Zuletzt aktualisiert: April 2026 Lesezeit: ~12 Min.

Was du in diesem Leitfaden lernst

📝

Anmeldung & Kosten

Wie du dein Nebengewerbe schnell und günstig beim Gewerbeamt anmeldest.

💰

Verdienstgrenzen

Wie viel du verdienen darfst, ohne deinen Hauptjob oder Sozialleistungen zu gefährden.

📊

Steuern im Nebengewerbe

EÜR, Umsatzsteuer, Kleinunternehmerregelung — was du wirklich versteuern musst.

🚀

Vom Neben- zur Haupttätigkeit

Wann der richtige Zeitpunkt ist und wie du den Übergang planst.

Nebengewerbe vs. Nebenberufliche Selbstständigkeit

Beide Begriffe beschreiben dasselbe: du bist hauptberuflich angestellt und übst daneben eine selbstständige Tätigkeit aus. Der Unterschied liegt nur in der Berufsbezeichnung:

  • Gewerbetreibende (Handel, Handwerk, Dienstleistung) → Gewerbe beim Ordnungsamt anmelden
  • Freiberufler (Ärzte, Berater, Journalisten, IT, Künstler) → nur beim Finanzamt anmelden, kein Gewerbeamt
  • In beiden Fällen: Einnahmen in der Steuererklärung angeben (Anlage G oder Anlage S)

💡 Das Nebengewerbe ist in Deutschland nicht auf eine bestimmte Umsatzhöhe begrenzt — du kannst theoretisch mehr als in deinem Hauptjob verdienen. Entscheidend ist der zeitliche Aufwand: Solange der Hauptjob mehr als 50 % deiner Arbeitszeit ausmacht, gilt es als Nebengewerbe.

Nebengewerbe anmelden: Schritt für Schritt

  1. Arbeitgeber prüfen & informieren

    Schau in deinen Arbeitsvertrag: Gibt es ein Wettbewerbsverbot oder eine Klausel zur Nebentätigkeit? Informiere deinen Arbeitgeber schriftlich — er kann nur verbieten, wenn echte Wettbewerbssituation besteht.

  2. Zum Gewerbeamt (Ordnungsamt)

    Geh mit Personalausweis zur zuständigen Behörde. Kosten: 15–65 €. In vielen Städten geht das online. Das Formular heißt „Gewerbeanmeldung“ (GewAnz).

  3. Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen

    Das Finanzamt schickt dir nach der Gewerbeanmeldung automatisch den Fragebogen zu — oder du kannst ihn proaktiv über ELSTER einreichen. Hier entscheidest du: Kleinunternehmer ja/nein?

  4. Steuernummer erhalten & loslegen

    Nach 2–6 Wochen erhältst du deine Steuernummer. Ab jetzt kannst du offiziell Rechnungen schreiben. Bewahre alle Belege auf — für die Steuererklärung am Ende des Jahres.

Was darfst du im Nebengewerbe verdienen?

Es gibt keine gesetzliche Umsatzgrenze für das Nebengewerbe. Du kannst beliebig viel verdienen. Aber es gibt steuerliche und sozialrechtliche Grenzen, die du kennen solltest:

📉

Kleinunternehmergrenze

Bis 22.000 € Jahresumsatz kannst du Kleinunternehmer bleiben — keine Umsatzsteuer ausweisen, einfachere Buchhaltung.

🏥

Krankenversicherung

Solange dein Nebengewerbe-Einkommen unter 505 €/Monat (2026) bleibt, bleibst du kostenfrei in der gesetzlichen KV familienmitversichert.

⚖️

Gewerbesteuer

Gewerbesteuer fällt erst ab 24.500 € Jahresgewinn an. Für die meisten Nebengewerbetreibenden kein Thema.

💼

Einkommensteuer

Dein Nebengewerbe-Gewinn wird zu deinem Hauptjob-Gehalt addiert. Du zahlst Einkommensteuer auf den Gesamtbetrag.

Wann lohnt der Sprung in die Vollzeit-Selbstständigkeit?

Das Nebengewerbe ist ein perfekter Testlauf. Aber irgendwann stellt sich die Frage: Wann gehe ich all-in?

  • Dein Nebengewerbe-Gewinn entspricht mindestens 80 % deines Nettolohns
  • Du hast mindestens 6 Monats-Ausgaben als Rücklage aufgebaut
  • Du hast mindestens 2–3 Stammkunden, die regelmäßig Aufträge vergeben
  • Du kannst die Krankenversicherung als Selbstständiger finanzieren
  • Du hast einen Plan für Altersvorsorge und Steuern

🎯 Die goldene Regel: Kündige erst dann, wenn dein Business läuft — nicht wenn du glaubst, es könnte laufen. Nutze das Nebengewerbe als risikofreien Testmarkt.

Häufige Fragen zum Nebengewerbe

Muss ich meinen Arbeitgeber über das Nebengewerbe informieren?

In den meisten Fällen ja — zumindest wenn dein Arbeitsvertrag eine Nebentätigkeitsklausel enthält. Dein Arbeitgeber darf nur widersprechen, wenn eine direkte Konkurrenzituation besteht oder das Nebengewerbe deine Haupttätigkeit beeinträchtigt.

Kann ich beim Nebengewerbe die Kleinunternehmerregelung nutzen?

Ja — wenn dein Umsatz im ersten Jahr voraussichtlich unter 22.000 € bleibt. Dann musst du keine Umsatzsteuer auf Rechnungen ausweisen und auch keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben.

Nebengewerbe während Elternzeit — ist das erlaubt?

Grundsätzlich ja. Du darfst bis zu 32 Stunden pro Woche arbeiten und dabei bis zu 900 € netto verdienen, ohne dass das Elterngeld gekürzt wird. Bei höherem Verdienst wird das Elterngeld anteilig reduziert.

Was passiert, wenn mein Nebengewerbe mehr als mein Hauptjob einbringt?

Steuerlich: nichts Besonderes — du zahlst auf alles Einkommensteuer. Sozialrechtlich: wenn du mehr Zeit im Nebengewerbe verbringst als im Hauptjob, gilt es nicht mehr als „neben“beruflich und du verlierst den Status des nebenberuflich Selbstständigen.

Wie führe ich Buch im Nebengewerbe?

Einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) reicht aus — alle Einnahmen minus alle Betriebsausgaben. Tools wie Lexoffice, Sevdesk oder eine einfache Excel-Tabelle sind völlig ausreichend.

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